Reiche steuern
Vor kurzem hat meine Enkeltochter ihren Führerschein gemacht. Gerade achtzehn. Nach der Schule hat sie oft im Café gejobbt und den Führerschein (fast) ganz allein bezahlt. Ich bin natürlich stolz auf sie. Toll! Und ich hab ein bisschen Angst davor, wenn ich mit ihr im Auto sitze und sie ist am Steuer. Aber dann denke ich: Ist ja eigentlich auch ganz bequem,„besteuert“ zu werden.
Ich stelle mir vor, dass es vielleicht auch manchen richtig Reichen unter uns so geht. Erstmal: Ich hab es verdient, reich zu sein. Hat bei uns Tradition, meine Eltern und Großeltern sind und waren es auch. Tradition verpflichtet. Wie schon Goethe gesagt hat: Was du ererbt von deinen Vätern hast,,/ Erwirb es, um es zu besitzen.! Was man nicht nützt, ist eine schwere Last...
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich würde auch gerne reich sein. Keine Frage. Ein, zwei Millionen wären für mich schon ausreichend. Zur freien Verfügung, versteht sich. Nicht, um das schöne Geld zu investieren. Aber es sollte schon alles im Rahmen sein. Wie unser Großvater immer gesagt hat: Bei zu wenig Geld, muss man immer an Geld denken. Und bei zu viel Geld auch. Nicht zu arm und nicht zu reich, da hat man noch Zeit, an etwas anderes zu denken.
Deshalb: Was die Superreichen angeht, sollte man etwas tun. Ich meine, man müsste ihnen helfen. Villen, Yachten, Partys - und das alles nicht einmal vergnügungs-steuerpflichtig. Wahrscheinlich gewöhnt man sich daran. Aber ist es nicht auf Dauer ein bisschen einfallslos?
Was mir vorschwebt, ist, nicht nur den Armen und Schwachen in der Gesellschaft zu helfen, sondern auch den Superreichen. Ich vermute, dass beide bedürftig sind. Aber nur für diejenigen, die keine eigenen Mittel haben gibt es ein Sozialhilfesystem bei uns. Ich finde, so etwas sollte es auch für diejenigen geben, die Mittel im Überfluss haben und nicht wissen, wohin damit. Ich hätte da schon ein paar Ideen.
Eine Stiftung gründen zum Beispiel. Entwicklungsbezogene Projekte finanziell ausstatten. Dafür sorgen, dass syrische (und andere) Facharbeiter und Facharbeiterinnen bei uns im Land bleiben. Wir brauchen die nämlich für unsere Wirtschaft.
Konkret stelle ich mir vor, einen Arbeitskreis zu gründen. So kenne ich das aus der Politik. Genauer: eine Art Selbsthilfegruppe von Superreichen. Zuerst werden in einem brainstorming Ideen darüber ausgetauscht, wie man sein Geld sinnvoll unter die Menschen bringen kann. Danach kommen die Fachleute, die alles Weitere managen.
Ja, und was dann? Wenn es gelungen ist, den Superreichen unter die Arme zu greifen und sie in diese Richtung zu steuern? Dann könnte die nachgewachsene Generation das Steuer übernehmen und ich selbst als Superreiche säße bequem hinten im Fonds, statt mir den Kopf über Aktienfonds zu zerbrechen. Auch ohne überflüssige Milliarden könnte ich es mir trotzdem noch bequem machen und mich, sagen wir mal: mit Sinnvollem beschäftigen. Zum Beispiel zusammen mit anderen sich was ausdenken. Ich wäre dabei!
Bienenbüttel, 30. März 2026
Kurt Jürgen Schmidt